
Sekundäre Immundefekte (SID) können im Lauf des Lebens auftreten – und unterschiedlichste Ursachen haben. Sekundäre Immundefekte heißen daher auch "Erworbene Immundefekte". Oft stehen sie mit Krebserkrankungen im Zusammenhang. Ursächlich für eine Immunschwäche kann neben der eigentlichen Erkrankung auch deren Behandlung durch eine Chemotherapie sein.
Am häufigsten führen Leukämien (Blutkrebs) und Krebserkrankungen des Lymphsystems zu einem geschwächten Immunsystem.
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass bereits bei einer Vorstufe des Multiplen Myeloms („schwelendes Myelom“) ein großer Teil der Betroffenen einen Antikörpermangel aufweisen. Zur Behandlung kann eine Immunglobulin-Ersatztherapie zum Einsatz kommen.
Eine CLL schreitet bei vielen Patient:innen nur sehr langsam fort. Erst wenn Beschwerden auftreten oder die Erkrankungsaktivität ansteigt, kommen verschiedene Medikamente zur Behandlung der CLL zum Einsatz. Hierzu gehören unter anderem Chemotherapeutika. Neben dieser medikamentösen Behandlung kann zusätzlich eine Immunglobulin-Ersatztherapie hilfreich sein . Betroffene erhalten Antikörper von gesunden Spendern, um Häufigkeit und Schwere von Infektionen zu mindern.
Aber nicht nur Krebserkrankungen verursachen SID. Infolge von Immundefekten können unter anderem Autoimmunerkrankungen auftreten.
Ursache: Autoimmunerkrankung
In diesem Fall ist das Immunsystem nicht in der Lage, körpereigene Zellen und Gewebe von körperfremden zu unterscheiden. Die Folge: Das Immunsystem richtet die Abwehrreaktionen gegen gesundes und funktionsfähiges Gewebe. Bei Autoimmunerkrankungen können sich auch die Bereiche der primären – also angeborenen – Immundefekte mit denen der erworbenen (sekundären) Immundefekte überlappen und lassen sich teilweise schwer voneinander abgrenzen. Ursachen für häufige und länger anhaltende Infektionen sind oft Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken (sog. immunsupprimierende Therapien).
Auch bei diesen Autoimmunerkrankungen kommt – je nach Ausprägung und neben anderen Therapiemöglichkeiten – gegebenenfalls eine Therapie mit Immunglobulinen infrage.
Sie sind bei verschiedenen Erkrankungen ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Allerdings schwächen sie die Abwehr gegen Krankheitserreger so stark, dass Betroffene deutlich häufiger an Infektionen durch üblicherweise harmlose Erreger erkranken. Wichtig: Impfungen sollten während einer Therapie mit Immunsuppressiva nur in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin durchgeführt werden, der/die diese Medikamente verordnet. Zum einen kann die Verabreichung eines sogenannten Lebendimpfstoffes bei Betroffenen eine schwere Erkrankung auslösen. Zum anderen können die Immunsuppressiva den Impferfolg gefährden.
Viren gehören neben Bakterien zu den häufigsten Krankheitserregern. Das Immunsystem wehrt die Eindringlinge häufig ab, ohne dass der Betroffene Symptome zeigt. Es gibt jedoch Viren, die das Immunsystem nachhaltig angreifen und so einen erworbenen Immundefekt auslösen können.
Masern-Virus
Eine Impfung gegen Masern beeinträchtigt das Gedächtnis des Immunsystems nicht.
Weitere Viren, z. B. Herpesviren
Eiweißverlust über die Nieren (nephrotisches Syndrom)
Vermehrt werden Proteine durch die Nieren ausgeschieden. Proteine halten Wasser im Blut, was dann nicht mehr funktioniert. Dies zeigt sich als Schwellungen vor allem an Beinen oder Armen. Betroffene weisen außerdem erhöhte Blutfettwerte auf. Die verstärkte Proteinausscheidung durch die Nieren betrifft auch Antikörper (Immunglobuline), denn bei ihnen handelt es sich um Eiweiße. Der dadurch entstehende Mangel an Antikörpern erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Betroffene können von einer Immunglobulin-Ersatztherapie profitieren.
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist das Immunsystem dauerhaft geschwächt, können folgende Maßnahmen ergriffen werden: