
Der menschliche Organismus ist mit einem ausgefeilten Verteidigungsmechanismus, dem Immunsystem, ausgestattet. Es erstaunt nicht, dass dieses hochkomplizierte System, in dem sich viele Informationswege kreuzen, an den unterschiedlichsten Stellen defekt sein kann. Immundefekte sind nicht ansteckend! Man unterscheidet:
Angeborene Immundefekte (= Primäre Immundefekte) oder Immundefizien zählen zu den Seltenen Erkrankungen und sind - der Name drückt es bereits aus - von Geburt an vorhanden (auch wenn sich Symptome teils erst später zeigen). Mediziner sprechen von Inborn Errors of Immunity (IEI).
Bei betroffenen Patienten arbeitet das Immunsystem nicht richtig, da ihnen Antikörper zur Abwehr von Bakterien, Viren, Pilzen usw. fehlen. Sie können deshalb Infektionen nicht so effektiv bekämpfen wie gesunde Menschen. Die Betroffenen leiden an häufig wiederkehrenden Infektionen, z.B. der Atem- oder Harnwege, die zudem schwer verlaufen, lange dauern und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können.
Inzwischen sind bereits über 550 Krankheitsbilder verschiedener angeborener oder primärer Immundefekte bekannt und genetisch definiert, die Zahl steigt ununterbrochen an.
Eine Übersicht der häufigsten angeborenen oder primären Immundefekte bzw. Immundefizienzen finden Sie hier
Es kann aber auch bei einem von Geburt an gesunden Organismus im Laufe des Lebens ein Defekt im Immunsystem entstehen. Man spricht hier von einem erworbenen oder sekundären Immundefekt. Im Gegensatz zu primären (angeborenen) Immundefekten entstehen sekundäre Immundefekte durch äußere Einflüsse oder Vorerkrankungen. Typische Auslöser sind
Krebserkrankungen: Insbesondere hämatologische Neoplasien wie Chronische lymphatische Leukämie (CLL) oder das Multiple Myelom
Therapien: Chemotherapien, Bestrahlungen, Stammzelltransplantationen oder immunsuppressive Medikamente
Infektionen: Wie z. B. das HI-Virus (HIV)
Weitere Erkrankungen: Schwere Leberschäden, Nierenerkrankungen oder chronischer Stress und Mangelernährung
Die Anzeichen für einen erworbenen Immundefekt ähneln denen primärer Immundefekte.
Bei Verdacht auf einen sekundären Immundefekt ist der erste medizinische Ansprechpartner in der Regel ein Facharzt für Hämatologie und Onkologie.
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist das Immunsystem dauerhaft geschwächt, können folgende Maßnahmen ergriffen werden: